Hormone


Wichtige Hormone

Testosteron

Testosteron ist das wichtigste männliche Geschlechtshormon (Androgen). Es wird hauptsächlich im Hoden gebildet. Bei Frauen produzieren die Eierstöcke und die Nebennierenrinde geringe Mengen an Testosteron. Produktion und Ausschüttung des Testosterons werden durch ein Hormon des Gehirns, das luteinisierenden Hormon, gesteuert. 
Testosteron wird durch Enzyme ab- und umgebaut. Dabei entstehen unter anderem Androstendion, Androsteron, Androstandion und Dihydrotestosteron, das wirksamer als Testosteron ist.
 
Testosteron ist außerdem im männlichen Organismus zuständig für Folgendes: 
  • Entwicklung der Geschlechtsorgane (Hoden, Prostata, Penis)  
  • Ausbildung der typischen männlichen Geschlechtsmerkmale (Behaarung, tiefe Stimme, spezifische Fettverteilung)  
  • Männlichen Habitus  
  • Samenbildung
Bei der Frau bewirkt Testosteron eine allgemeine Vermännlichung (Virilisierung) und einen gesteigerten Geschlechtstrieb (Libido).
 
Testosteron bewirkt bei beiden Geschlechtern eine: 
  • Förderung des Knochenwachstums im Wachstumsalter 
  • Vermehrung der Muskelmasse  
  • Senkung des Cholesterinspiegels 
  • Steigerung des Eiweißaufbaus
Eine Reihe vor allem genetischer Erkrankungen gehen mit anormalem Testosteron-Spiegel einher. Testosteron wird bei vielen Funktionsstörungen therapeutisch angewendet. Außerdem dient es als Dopingmittel im Sport.
 
Testosteron wird bestimmt bei:
Impotenz, Entwicklungsstörungen, Verdacht auf genetische Störungen, Amenorrhoe und vielen Krebsarten.
 
Da der Testosteronspiegel stark schwankt, die Werte am Morgen sind circa 20 Prozent höher als am Abend, soll das Blut zwischen sieben und neun Uhr morgens abgenommen werden.
 
Testosteron wird aus dem Blut (hier: aus dem Serum) bestimmt.
REFERENZ-/NORMALWERTE alte Einheit SI-Einheit 
Männer 2,7-10,7 µg/l 9,4 - 37nmol/l
Frauen bis 0.86 µg/l bis 3nmol/l
Neugeborene Jungen bis 7,4 µg/l * bis 25,5nmol/l
Neugeborene Mädchen bis 0,23µg/l bis 0,8nmol/l
* Bei den Jungen fallen nach 70 Tagen die hohen Werte wieder ab und bleiben bis zur Pubertät unter ca. 0,3 µg/l.
 
Eine zu geringe Testosteron-Menge ist in folgenden Fällen zu messen:
Stress, hoher Alkoholkonsum, Anorexia nervosa, Pubertas tarda (verzögerte Pubertät, Drogenkonsum, Leberzirrhose und Morbus Addison.
 
Bei Männern ist der Testosteron-Wert außerdem noch zu niedrig beim Klinefelter-Syndrom und bei einer Hyperprolaktinämie.
Bei Frauen ist zusätzlich während der Postmenopause und bei Einnahme der "Pille" eine zu geringe Testosteron-Konzentration festzustellen.
 
In welchen Fällen ist der Testosteron-Wert zu hoch?
 
Bei Männern ist in folgenden Fällen eine erhöhte Menge an Testosteron festzustellen:
Testosteronzufuhr z.B. über Dopingmittel, Hodentumoren, Androgen-Resistenz und Androgen-Rezeptor-Defekten, Nebennierentumor.
 
Bei Frauen führen folgende Fälle zu einer Erhöhung des Testosteron-Wertes:
Hirsutismus, Amenorrhoe, Adrenogenitales Syndrom, Eierstock-Nebennierenrinden-Tumor, Testikuläre Feminisierung, Cushing-Syndrom
 
Bei Mädchen und Jungen kommt es bei Pubertas praecox zu erhöhten Testosteron-Werten.
Weitere Faktoren, die ebenfalls zu höheren Werte führen können:
Erniedrigte Mengen an TBG (SHBG)
Veränderungen in der zweiten weiblichen Zyklushälfte


Estradiol (Östradiol)

Östrogene: Östradiol, Östron & Östriol
 
Östrogene und Progesteron sind die weiblichen Geschlechtshormone. Östrogene werden vor allem in den Eierstöcken gebildet, daneben auch im Mutterkuchen (Plazenta), in der Nebennierenrinde und in geringer Menge im männlichen Hoden.
 
Das wichtigste Östrogen ist Östradiol. Weniger effektiv sind Östron und Östriol. Künstlich hergestellte (synthetische) Östrogene sind dagegen sehr wirksam. Dazu gehört beispielsweise Ethinylöstradiol, das Bestandteil mancher Pillen ist.
 
Östrogene spielen vor allem in der ersten Hälfte des weiblichen Zyklus eine wichtige Rolle. Die Östrogenspiegel im Blut schwanken enorm im Lauf des Zyklus.
 
Östrogene sind für den Eisprung verantwortlich, sie bereiten die Gebärmutter auf eine mögliche Schwangerschaft vor. In der Pubertät bewirken sie die Ausbildung der typischen weiblichen Geschlechtsmerkmale: Brüste, hohe Stimme sowie weibliches Behaarungs- und Fettverteilungsmuster. Östrogene stimulieren die Knochenreifung, senken den Cholesterinspiegel und führen zu vermehrter Wassereinlagerung im Gewebe. Klinisch verwendet werden sie als Bestandteil der Pille, bei der Therapie von klimakterischen Beschwerden und bei bestimmten Tumoren.
 
Östradiol wird in den folgenden Fällen bestimmt:
Bei Zyklusstörungen (vor allem Blutungsstörungen), Nach der Menopause, Bei Störungen der Pubertätsentwicklung , In der Tumortherapie und -diagnostik (bei hormonbildenden Tumoren, z. B. Eierstocktumor).
 
Östrogene werden heute im Blutserum bestimmt. Die früher übliche Bestimmung aus dem 24-Stunden-Urin wird normalerweise nicht mehr durchgeführt.
REFERENZ-/NORMALWERTE Einheit
Frauen Östradiol 10-320 pg/ml (abh.v.d.Zyklusphase)
Frauen Östron 50-80 pg/ml
Frauen Östriol 1,3-20,3 pg/ml (abh. von der Schwangerschaftswoche)
Männer Östradiol 15-40 pg/ml
Säuglinge männlich Östradiol 5-35 pg/ml
Säuglinge weiblich Östradiol 5-35 pg/ml
 
Bei Frauen ist der Östrogen-Wert in folgenden Fällen zu niedrig:
Östradiol ist zu niedrig bei Einnahme der "Pille", Hypophyseninsuffizienz und Funktionsstörungen der Eierstöcke.
Östron ist im Alter ohnehin niedriger.
 
Östriol ist zu niedrig bei Plazentafunktionsstörungen, bei fötalen oder mütterlichen Erkrankungen, z.B. Anenzephalie, und auf Grund von Therapien der vorgenannten Erkrankungen, wie beispielsweise bei Glukokortikoidtherapie oder Antibiotikatherapie.
 
Bei Frauen ist der Östrogen-Wert in folgenden Fällen zu hoch:
  • Östradiol ist erhöht bei einer Fertilitätsbehandlung und bei östrogenproduzierenden Tumoren.
  • Östron ist zu hoch bei Fettsucht nach der Menopause.
  • Östriol ist erhöht bei Mehrlingsschwangerschaft.
Bei Männern ist der Östradiol-Wert im Fall von Fettsucht und Leberzirrhose zu hoch.
Weitere Faktoren, die ebenfalls zu hohen Werten führen können, sind Störungen bei der Leber- und Nierenfunktion.


LH

Das luteinisierende Hormon (LH) ist ein nicht-geschlechtsspezifisches Hormon der Hypophyse, das bei den beiden Geschlechtern unterschiedliche Funktionen hat.  
  • Bei Männern regt LH die Bildung des männlichen Geschlechtshormons Testosteron an.
  • Bei Frauen löst LH den Eisprung aus. Die Hirnanhangdrüse schüttet große Mengen des luteinisierenden Hormons aus, wenn die Östrogenproduktion des heranreifenden Leitfollikels in der Mitte des Zyklus ihr Maximum erreicht hat und anzeigt, dass die Eizelle bald zur Befruchtung reif ist. Ungefähr 28 bis 32 Stunden nach der LH-Schwemme platzt das Eibläschen auf und setzt die Eizelle frei. Nach dem Eisprung regt das LH die Zellen des geplatzten Follikels zur Bildung von Progesteron an.
Ein krankhaft erhöhter Prolaktinspiegel hemmt die Freigabe von LH und follikelstimulierendem Hormon (FSH).
 
Referenzwerte nach Labor Prof. Leidenberger, Hamburg.
 
Frauen:
3. Zyklustag, Follikelphase < 13 mIE/ml (1,6 - 13 U/l)
LH-Peak Mittzyklusgipfel > 25 mIE/ml (11,3 - 111 U/l)
Lutealphase < 11 mIE/ml (1,6 - 13 U/l)
Postmenopause  25 - 60 mIE/ml (< 58 U/l)
Männer:
2 - 10 mIE/ml (1,9 - 7,4 U/l)


FSH

Das follikelstimulierende Hormon (FSH) ist ein nicht geschlechtsspezifisches Hormon, das von der Hirnanhangdrüse produziert wird und für die Eizellreifung verantwortlich ist.

Hormonelles Regelsystem
  • Bei Frauen wird das follikelstimulierende Hormon hauptsächlich in der ersten Hälfte des Zyklus ausgeschüttet. Unter seinem Einfluss wachsen zu Beginn eines Zyklus etwa 20 Eibläschen heran, die Östrogen produzieren. Wenn eine bestimmte Östrogenkonzentration im Blut erreicht ist, schüttet die Hirnanhangdrüse wieder weniger follikelstimulierendes Hormon aus. Dadurch bekommt nur noch ein Eibläschen, der sogenannte Leitfollikel, ausreichend follikelstimulierendes Hormon und kann weiter heranreifen. Die anderen Eibläschen werden abgebaut. Wenn sich ausnahmsweise zwei oder drei Eibläschen weiter entwickeln und befruchtet werden oder sich eine befruchtete Eizelle vollständig halbiert, entstehen Zwillinge bzw. Mehrlinge.
  • Bei Männern regt das follikelstimulierende Hormon die Neuproduktion von Samenzellen im Hoden an.
FSH-Mangel und Therapie
Wird zuwenig oder gar kein follikelstimulierendes Hormon (FSH) produziert, und ist dies als Grund für eine Unfruchtbarkeit erkannt, so kann ein chemisch hergestellter Stoff, der ebenso wie das Hormon die Stimulation der Eierstöcke bewirkt, verabreicht werden. Bei einer Hormonbehandlung wegen Unfruchtbarkeit kann es durch das FSH zur einer vermehrten Eizellreifung kommen. Bei Patientinnen, die dazu neigen, viele und zu kleine Eibläschen zu bilden, kann es zu einer Überstimulation kommen und es muss mit Mehrlingsschwangerschaften gerechnet werden.
 
Referenzwerte (nach Labor Prof. Leidenberger, Hamburg)
 
Follikelphase 1,06 - 10,6 mIE/ml
Mitzyklus 7,6 - 27,6 mIE/ml
Lutealphase 0,9 - 8,3 mIE/ml
Postmenopause 31,6 - 88,9 mIE/ml


SHBG (Protein)

Biologisch aktive Steroidverbindungen sind im Blutstrom vermehrt an Plasmaproteine gebunden. Als Transportvehikel dienten dabei den Androgenen vor allem das SHBG und das Albumin. Die Bindung von Testosteron an SHBG ist dabei höchst spezifisch wohingegen es mit Albumin nur eine lockere unspezifische Bindung eingeht.SHBG bindet mit höchster Affinität Dihydrotestosteron (DHT) und in abfallender Reihenfolge der Affinität Testosteron und Östradiol, wobei es sich um reversible Bindungen handelt.
(SHBG) dient als Trägerprotein für Androgene auf ihrem Weg durch die Blutbahn. Nur 1% bis 2% des Testosterons im Serum liegen frei vor. Etwa 30% werden mit hoher Affinität an SHBG gebunden. Die restliche Menge an Testosteron ist relativ locker mit Albumin und verschiedenen weiteren Serumproteinen assoziiert.
Um Wirkung auszuüben, muß das Hormon zunächst in die Zielzelle gelangen. Man geht davon aus, daß dies überwiegend per Diffusion geschieht. Hierfür muß Testosteron allerdings in freier Form vorliegen. Das mit hoher Affinität an SHBG gebundene Testosteron steht somit kaum zur Verfügung.
SHBG - Erhöhungen findet man in der Schwangerschaft und als Folge von Östrogeneinwirkungen auf die Leber. Bei Zuständen, die mit erhöhten Androgenspiegeln an den Zielorganen einhergehen findet man dagegen erniedrigte SHBG-Spiegel.
Atypische Konstellationen des SHBG können hinweisend sein für Schilddrüsenstörungen, Störungen des Wachstumshormons sowie Leberstörungen bis hin zur Leberzirrhose. Bei einer Behandlung mit weiblichen Hormonen finden sich grundsätzlich hohe Werte.



DHT

Testosteron wird durch Enzyme ab- und umgebaut. Hierbei ist vor allem die 5a-Reduktase beteiligt. Dabei entstehen unter anderem Dihydrotestosteron, das noch wirksamer als Testosteron ist. Deshalb ist es sehr häufig bei Haarausfall der Kopfhaares sowohl bei Männern als auch bei Frauen beteiligt. Wenn Testosteron zugeführt wird, muss es grundsätzlich mitkontrolliert werden, um eine eventuelle Erhöhung rechtzeitig zu erkennen.



DHEA

Dehydroepiandrosteron (Hormon der Nebenniere); Zwischenprodukt im Stoffwechsel der Sexualhormone, Gegenspieler des Stresshormons Cortisol. Das Dehydroepiandrostendion (DHEA) beziehungsweise seine Speicherform Dehydroepiandrostendion-Sulfat (DS) sind die Leithormone der zahlreichen, männlichen Hormone aus der Nebennierenrinde. Der vor der Pubertät beginnende Anstieg des DS erreicht sein Maximum um das 25. Lebensjahr, wobei die DS-Spiegel bei Männern doppelt so hoch liegen wie bei Frauen. DHEA ist ein sogenanntes pleiotropes Hormon, das heißt seine Wirkungen entstehen teils durch sich selbst und teils durch Vermittlung seiner Umwandlungsprodukte. Als Sexualhormon dient es als Ausgangsstoff für Androgene und Östrogene, ferner wirkt es als Stimulator für das Wachstumshormon, wodurch sich seine aufbauende Wirkung erklären lässt. Es hat positive Wirkungen auf den Fettstoffwechsel und den Insulinstoffwechsel. Als Neurotransmitter im Gehirn entfaltet DHEA antineurotoxische und antihypertensive Wirkungen: es schützt das Gehirn vor giftigen Zellsubstanzen und hat einen blutdrucksenkenden Effekt. Seine vielen Wirkungen auf das Immunsystem spielen besonders bei Autoimmunerkrankungen und bei der Tumorabwehr eine Rolle. Hohe Dosierungen werden beispielsweise beim Lupus erytematodes und ähnlichen Autoimmunerkrankungen therapeutisch eingesetzt. Außerdem hat es antioxidative Wirkung: es schützt den Körper also vor freien Radikalen.


Cortisol

Cortisol gehört zu den körpereigenen Hormonen, die in der Nebennierenrinde hergestellt werden.
 
Zu den wichtigsten Funktionen des Cortisols gehört die hormonelle Regulation des Salz- und Wasserhaushaltes in der Niere.
Es wirkt entzündungshemmend und erhöht den Blutzucker-Spiegel im Blut.
 
Die Cortisol-Konzentration wird bei Über- und Unterfunktionen der Nebennierenrinde vom Arzt untersucht.
 
Cortisol wird aus dem Blutserum oder aus dem 24-Stunden-Sammelurin oder aus dem Speichel gewonnen. Da die tageszeitlichen und altersabhängigen Schwankungen sehr stark sind, muss die Untersuchung unter Beachtung genauer Entnahmevorschriften durchgeführt werden. Meist wird keine Einzelbestimmung sondern ein so genannter standardisierter Funktionstest durchgeführt.
 
REFERENZ-/NORMALWERTE alte Einheit SI-Einheit 
Erwachsene (Blut), 8 Uhr 5-25 µg/dl 138-690 nmol/l
Kinder (Blut), 8 Uhr 0,6-29 µg/dl 17-800 nmol/l
Erwachsene (Urin) 20-90 µg/24 h 55-248 nmol/24 h
Kinder (Urin) 2-55 µg/24 h 6-152 nmol/24 h
 
Niedrige Cortisol-Werte weisen auf eine Funktionsuntüchtigkeit der Nebennierenrinde hin. Die Folgen davon können sein: Entzündungen, Wassereinlagerungen, u niedriger Blutzucker.
Ein Mangel an spezifischen Transporteiweißen kann auch zu erniedrigten Cortisol-Werten führen.
 
Da aber einmalig veränderte Werte häufig vorkommen, sollten Sie zur gesicherten Diagnosestellung mindestens drei bis vier Untersuchungen in Kombination mit ACTH, einem Stresshormon, durchführen lassen.
 
Cortisol-Erhöhungen führen zum sogenannten Cushing-Syndrom, das durch Stammfettsucht, Mondgesicht und Elektrolytstörungen gekennzeichnet ist. Dies kann zu Herzrhythmusstörungen führen. Außerdem können folgende Faktoren eine dauerhaft erhöhte Cortisol-Konzentration bewirken, jedoch ohne klinisch bedeutsam zu sein.
Schwerer Alkoholismus, Depressionen, Fettleibigkeit, Schwere Entzündungen, Schwangerschaft
 
Zur Diagnosesicherung sollten ebenfalls mehrere Untersuchungen in Kombination mit Bestimmung von ACTH durchgeführt werden.

























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